Archiv für Juni 2009

IRAN: „Man hat vor niemandem mehr Angst“ – Interview mit einem Iranischen Anarchisten über die Proteste im Land

Das folgende Interview von ALB-Noticias (alasbarricadas.org) mit Unterstützung von José Antonio Gutiérrez (Aktivist von anarkismo.net) wurde mit Payman Piedar geführt, exilierter Iranischer Anarchist, der sich bereits an zahlreichen libertären Initiativen in der EU und in Peru beteiligt hatte. Ausserdem war Payman Piedar Redaktor der anarchistischen Zeitschrift Nakhdar, die in Englisch und Farsi erschienen ist. Im folgenden Interview versuchen wir inmitten der Verfälschungen der westlichen und der Zensur der Iranischen Medien zu erruieren, was wirklich in diesen Tagen im Iran passiert. Obwohl wir nicht vor einem Aufstand mit revolutionärem Charakter stehen, steigen in der Hitze des sozialen Aufruhrs die Aussichten auf breiten zivilen Ungehorsam.

1. Man sagt, dies seien die wichtigsten Demonstrationen seit der Revolution von 1979… Sehen Sie eine Kontinuität zwischen den Protesten von damals und heute?

Ja, es ist richtig, dass diese Mobilisierungen oder Demonstrationen die grössten und wichtigsten seit der Revolution von 1979 sind. In der Tat begann es damals genau so wie heute.

Der Schah, ein Diktator und Marionette des US-Imperialismus, beging den Fehler, keine Kritik an seiner Herrschaft zu dulden, und das Volk, das seine langjährige repressive Regierungszeit satt hatte, erhob sich endlich und schickte ihn auf den Müllhaufen der Geschichte.

Ebenso gibt es eine Kontinuität zwischen den Ereignissen von 1979 und heute, denn die Revolution, oder besser gesagt der Aufstand von damals – in Wahrheit war es keine soziale, sondern eine politische Revolution, ein blosser Wechsel von einer monarchischen zu einer theokratischen Herrschaft –, wurde von den Mullahs (Religionsgelehrte) mit Ajatollah Khomeini an der Spitze in Beschlag genommen, und es begann die Ära eines neuen diktatorischen Regimes.

Unter solchen Umständen sehnt sich das Volk nach der Freiheit wie nach Brot und Wasser – und es ist bereit, dafür zu sterben. Vor allem die Jungen, da 65% der Iranischen Gesellschaft jünger als 30 Jahre sind und genug davon haben, erniedrigt und unterdrückt zu werden. Mehr noch, diese Bewegung, die bereits als eine andere Revolution erscheint, die, so hoffe ich, jetzt weitergehen wird, ist die Wiederaufnahme des Kampfes für die Verfassung von 1905, der nie zu einem Ende kam. Die Freiheit, auch nur bloss in ihrer bürgerlichen und begrenzten Form, ist etwas, dass die Iranische Gesellschaft bis heute nicht kennt. Die demokratische Regierung von Dr. Mosadegh dauerte lediglich zwei Jahre, von 1951 bis zum August 1953, weil die US-amerikanische Regierung und die CIA sie stürzten, noch bevor sie das gleiche mit derjenigen von Arbenz Gũzman in Guatemala 1954 taten.

2. Inwiefern glauben Sie, dass die aktuellen Mobilisierungen das theokratische Regime schwächen können?

Die Antwort auf diese Frage ist nicht einfach. Alles hängt davon ab, bis zu welchem Grad diese Mobilisierungen fortgeführt werden. Glücklicherweise ist die Aura, die „Würde“ der Mullahs, im Speziellen diejenige von Khamenei, dem Nachfolger von Khomeini, angegriffen worden. Wir haben bereits den Slogan „Stirb Khamenei“ gehört, und gestern verbrannten sie sein Bild auf der Zanjan-Strasse in Teheran. Dieses Zeichen ist sehr wichtig. Man hat vor niemandem mehr Angst.

Schon fast ist der Moment gekommen, in dem „die von unten es nicht mehr ertragen“, wie Lenin sagte, aber es fehlt noch ein Stück, damit „die von oben nicht mehr regieren können“. Heute habe ich gehört, dass in Qom, dem Vatikan der Schiiiten, ein Bruch zwischen den hohen religiösen Führern stattgefunden hat. Eine Fraktion gab die Order, die älteste Tochter von Rafsandschani, einem der mächtigsten, reichsten und korruptesten Ajatollahs, zu verhaften; er war zwischen 1989 und 97 Präsident; am folgenden Tag, also heute, liessen sie die Tochter wieder frei. Rafsandschani hat zwei wichtige Posten in der staatlichen Hierarchie inne, einer davon ist der Vorsitz im Expertenrat, der den obersten religiösen Führer, im Moment also Khamenei, wählen oder abberufen kann.

Somit ist es möglich, dass dieser Rat Khamenei abwählt, wenn die Vorfälle und Mobilisierungen für einige Tage oder Wochen anhalten. Was kommt danach? Es kann sein, dass der Rat eine Gruppe von acht Personen an die Stelle eines obersten religiösen Führers setzt. Es gibt bereits Gerüchte über diese Möglichkeit. Oder, im besten Fall, hört die Bewegung nicht auf bis zur totalen Niederlage des theokratischen Systems.

Vergessen wir nicht, dass diese Stimmung entstanden ist, weil Khamenei den Fehler begangen hatte, die gefälschte Wahl im letzten Freitagsgebet abzusegnen. Aus diesem Grund ist es sehr unwahrscheinlich, dass er einen Rückzieher macht oder dass die Bevölkerung eine allfällige Entschuldigung annehmen würde. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Die Bourgeoisie und die religiösen Anführer können auf dem Rücken des Volkes zu einer Einigung kommen und die Situation zu beruhigen suchen. Ich sehe dies jedoch als schwierig an.

3. Welche Rolle haben die ArbeiterInnen bis jetzt in diesen Mobilisierungen gespielt? Gibt es eine Möglichkeit, dass der Protest sich im Interesse der arbeitenden Klassen entwickeln könnte?

Freilich hat es innerhalb dieser Mobilisierungen ArbeiterInnen aus verschiedenen Sektoren: Handel und Dienstleistung; aus dem informellen Sektor; Selbstständige, Marginalisierte und Arbeitslose. Wir müssen uns in Erinnerung rufen, dass 25-35 % der Bevölkerung ohne Arbeit sind. Abwesend sind jedoch die ArbeiterInnen aus dem wichtigsten Sektor, nämlich aus der Öl- und Petrochemie-Industrie, die hauptsächlich im Süden des Landes in der Nähe des Persischen Golfes beheimatet ist. Der Tag, an dem diese ArbeiterInnen innehalten und in den Generalstreik treten, bedeutet der Erfolg der Revolution, oder, besser gesagt, die vollständige Niederlage des theokratischen Regimes. Damit diese Bewegung für die Interessen des Proletariats eintritt, müssen sich die ArbeiterInnen dieses Sektors daran beteiligen und die Initiative darin übernehmen.

4. Man betont fortwährend die Mobilisierung der Opposition, aber sicherlich haben auch die Anhänger von Ahmadinejad in grosser Zahl mobilisieren können – vielleicht sogar noch stärker als jene (was aus offensichtlichen Gründen von der westlichen Presse ignoriert wird). Was treibt die Anhänger des Iranischen Regimes auf die Strasse?

Erstens, die Anhänger des Regimes von Ahmadinejad sind nicht zahlreicher als diejenige der Opposition. In Wirklichkeit war das Resultat der Präsidentschaftswahlen das folgende: Moussavi bekam etwas mehr als 19 Millionen Stimmen, Karrobi, der andere „Reformer“, 13 Millionen, Rezaie, politisch Ahmadinejad nahestehend, wenn auch ein wenig „moderater“, 3 Millionen, und Ahmadinejad selbst etwas mehr als 5 Millionen. Die Anzahl ungültiger Stimmen belief sich auf rund anderthalb Millionen.

Die Anhänger von Ahmadinejad kommen hauptsächlich aus ärmeren Bevölkerungsschichten, die einen Betrag von $50 und Chipstüten erhielten. Ebenso aus Pensionärskreisen, die just einige Tage vor den Wahlen einen hohen staatlichen Zuschuss für ihre Renten bekamen: vorher waren es $200, nun $600. Und vergessen wir nicht, dass dieses Regime über drei bis fünf Millionen junge Bassiji verfügt, eine paramilitärische Miliz, vergleichbar mit der Falange von Franco, und die ihre Mitglieder hauptsächlich aus den unteren Schichten rekrutiert. Dazu kommen noch deren Familien, die wegen einer monatlichen finanziellen Zuwendung grundsätzlich hinter dem Regime stehen. Aber es gibt auch eine geringe Zahl an StudentInnen, die während der Wahlkampagne diesen Bonus von $50 ebenfalls erhielt.

Ich nehme an, dass es ebenso einige Kreise im unteren Mittelstand gibt, die Ahmadinejad gewählt haben, da dieser während seines Wahlkampfes ein paar Namen von korrupten, in Mafiastrukturen verwickelten Politikern genannt hatte (u.a. Rafsandschani).

5. Gibt es einen Klassenunterschied zwischen der einen und der anderen Seite? Wir stellen diese Frage, weil bei Ermangelung einer gefestigten und klaren revolutionären Alternative die ArbeiterInnenklasse und die Armen im Allgemeinen gewöhnlich für konservative Anliegen eintreten…

Es gibt keine grossen Differenzen zwischen den Parteien der Mächtigen. Alle sind Teil der Bourgeoisie. Niemand „repräsentiert“ den Mittelstand, die unteren Schichten oder das Proletariat. In ökonomischer Hinsicht sind alle beteiligten Parteien für den Neoliberalismus, für Privatisierungen und für eine Politik im Sinne der Welthandelsorganisation – mit minimalen Differenzen hinsichtlich der staatlichen Zuwendungen an die Armen. Die einen wollen ihnen monatlich etwas mehr Geld geben, die anderen wollen diese Hilfen via Preissenkungen beim Brot, beim öffentlichen Verkehr und bei den Versicherungsprämien gewähren.

Politisch betrachtet will die Opposition allerdings einen demokratischen Eindruck machen: sie steht ein für Redefreiheit, ist gegen die Zensurierung oder Unterbindung von regierungskritischen Publikationen, lehnt die Todesstrafe für Minderjährige ab, will den Frauen im öffentlichen Sektor mehr Chancen bieten, wehrt sich gegen die Inhaftierung von radikalen StudentInnen, ist für mehr Frauenrechte bei Scheidungen usw.

6. Auffallend sind die gemässigten Worte von Obama vor den Mobilisierungen – eine Zurückhaltung, die mit den Hurra-Parolen von Bush und der CIA während den Demonstrationen von Beirut und Kiew vor ein paar Jahren kontrastiert… Von woher rührt diese vorsichtige Haltung?

Die Position von Obama ist sehr diplomatisch. Die US-amerikanischen ImperialistInnen wissen sehr genau, dass der Iran nicht mit dem Irak, Afghanistan oder Pakistan vergleichbar ist; noch ist er mit Beirut oder Kiew gleichzusetzen. Es gibt keine Möglichkeit für sie, im Iran zu intervenieren; nicht einmal während der Regierung Bush gab es Pläne für ein Vorgehen analog zur Invasion im Irak, geschweige denn jetzt, wo die Dinge so bewegt sind. Sie können die momentane Situation im Iran nicht gefährden.

Sie wollen keine Verschlechterung der Lage, weil es letzten Endes besser ist, jemanden an der Macht zu haben, der den Ausfuhr des Erdöls aus der Region nicht gefährdet… Obama weiss, dass die Mullahs davon gesprochen haben, dass die „EU, Grossbritannien, Frankreich, Deutschland im Iran intervenieren…“, um nicht nur die öffentliche Meinung im Iran, sondern weltweit abzulenken. Deswegen sagte Obama, dass er nicht wolle, dass man den Eindruck habe, die EU mische sich in die inneren Angelegenheiten des Landes ein. Aber schon gestern schob er, um die Konservativen zu befriedigen, folgende Erklärung nach: „Die Iranische Regierung darf ihre politischen Gegner nicht unterdrücken, sie darf nicht so gewalttätig vorgehen…“

Ausserdem haben die Mullahs den US-AmerikanerInnen in grossem Ausmass geholfen, die Situation im Irak und in Afghanistan zu „stabilisieren“. In anderen Worten sind ihre Interessen oftmals mit den geopolitischen Ambitionen des US-Imperialismus deckungsgleich. Es ist besser, diese delikate Situation nicht zu gefährden. So betrachtet ist Obama wegen den hegemonialen Interessen des US-Imperialismus die beste Karte, auf die sie setzen können. Bush und seine Politik sind bereits Geschichte, temps passé.

Auf seiner letzten Reise in den Nahen Osten hielt Obama eine Rede an der Universität von Kairo, in der er versuchte, einen pro-islamischen und der arabischen Welt nicht allzu feindlich gesinnten Eindruck zu hinterlassen. Auch besuchte er den Saudischen König und seine zionistischen Verbündeten in Israel. Alles deutet darauf hin, dass er ein konsens- und nicht konfrontationsorientiertes Bild vermitteln will. Obwohl diese Politik aus seiner Sicht im Allgemeinen durchaus vernünftig ist, wird sie in strategischer Hinsicht in der Region nicht aufgehen, denn man vergass wie immer, den PalästinenserInnen im Konflikt mit Israel substantielle Zugeständnisse zu machen.

7. Wie denken Sie wird die momentane Situation im Iran ausgehen? Können sich die fortschrittlichen Kräfte irgend etwas von dieser Opposition erhoffen oder ist es notwendig eine wirkliche Alternative zu schaffen?

Die fortschrittlichen Kräfte können oder dürfen nicht auf die existierende Opposition hoffen. Erstens ist sie nicht laizistisch; sie ist islamisch und für die islamische Verfassung. Sie ist nicht gegen die Person des „Velayate Faghie“, also des obersten religiösen Führers. Sie will nur politische Einflussmöglichkeiten in den Grenzen der Verfassung der Islamischen Republik haben, mehr nicht. Und weil die ArbeiterInnenbewegung überhaupt nicht stark ist – denn wir haben keine Gewerkschaften, die nicht vom Staat kontrolliert werden –, können die Fortschrittlichen diese Gelegenheit nur nutzen, um ein weniger repressives Umfeld zu schaffen – ein Umfeld, das ein wenig freier zum Atmen ist und in dem sich anti-kapitalistische Ziele und langfristige Kampfstrategien organisieren und entwickeln lassen.

Die ArbeiterInnen, die Jungen, die Frauen, die Marginalisierten und die Arbeitslosen müssen ihre Allianzen Schritt für Schritt schmieden; sie müssen Affinitätsgruppen, Organisationen, Versammlungen und Räte schaffen, und dann ihre Pläne für die endgültige Befreiung erarbeiten: Zerstörung des Staates, Abschaffung des Kapitals und die Reinigung des Geistes von aller Religion und Aberglauben. Dies wird der Tag des Feierns sein.

[Quelle in Spanisch: http://www.alasbarricadas.org/noticias/?q=node/11031]

[Übersetzt aus dem Spanischen]

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wir haben das Interview von der Seite der Libertären Aktion Winterthur

Weitere Links zum Thema:

Labournet:

http://labournet.de/internationales/iran/index.html
http://labournet.de/internationales/iran/gewerkschaft.html

englischsprachige Links:

Solidaritätsaufruf der CNT-IAA Paris
http://cnt-ait.info/article.php3?id_article=1694

Statement der Iranischen Busfahrergewerkschaft
http://libcom.org/library/iranian-bus-workers%E2%80%99-statement-demonstrations

Artikel eines iranischem Anarcho-Kommunisten (WSM Ireland)
http://www.anarkismo.net/article/13493

Interview über iranische Gewerkschaften und den unabhängigen Freiheitskampf der Bevölkerung
http://therealnews.com/t/index.php?option=com_content&task=view&id=31&Itemid=74&jumival=3929

Interview mit iranischem Anarchisten (2005)
http://www.ainfos.ca/05/may/ainfos00339.html

Links auf Farsi (Persisch)

Prinzipien der Internationalen Arbeiter/innen-Assoziation
http://cnt-ait.info/IMG/html/iwa_statutes_farsi2.html

weitere anarchistische Texte
http://cnt-ait.info/rubrique.php3?id_rubrique=97,
http://cnt-ait.info/rubrique.php3?id_rubrique=114

Sonderseite zum Arbeitskampf der FAU-Berlin im Kino Babylon

Sonderseite zum Arbeitskampf im Kino Babylon

Erklärung der ZSP zum Bildungsstreik in der BRD und zum Bologna-Prozess

Die polnische »Union der SyndikalistInnen« (ZSP) hat aus Anlass des Bildungsstreiks in der BRD eine Erklärung verfasst, in der sie sich mit den derzeit in mehreren eurpäischen Ländern stattfinden Aktionen im Bildungsbereich und mit dem sog. »Bologna-Prozess« auseinandersetzt.
Die »Union der SyndikalistInnen« (ZSP) unterstützt den Bildungsstreik in Deutschland, der vom 15. bis 19. Juni 2009 stattfindet. Die ZSP plant eine Info-Aktion am 19. Juni, dem 10. Jahrestag der Unterzeichnung der »Bologna-Erklärung«. Unsere Unterstützung für den Kampf gegen die Kommerzialisierung der Bildung, bedeutet nicht, dass wir den Erhalt der Bildungseinrichtungen in der jetzt existenten Form unterstützen würden. Der Bildungsstreik in Deutschland ist eine aus einer Vielzahl von Aktionen gegen die Änderungen in der Finanzierung des Bildungssystems und anderer Sektoren. Die DemonstrantInnen sind gegen Veränderungen, die Profitinteressen über die Interessen der Menschen stellen und die den Zugang zu Bildung beschränken und ihn damit noch mehr auf die bereits privilegierten Teile der Gesellschaft beschränken. Die Einführung kommerzieller Aspekte in die Bildung passt diese an die Bedürfnisse des Kapitals an, aber nicht an die Bedürfnisse der SchülerInnen und StudentInnen.

Die Proteste richten sich auch gegen die Tendenz des Staates zur Neuverteilung von öffentlichen Mitteln, die eigentlich für weite breite gesellschaftliche Bereiche gedacht sind. Diese Veränderungen werden auch negative Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen von LehrerInnen, DozentInnen, ProfessorInnen und andere Beschäftigte an Schulen und Hochschulen haben. Viele von ihnen werden sich am Rand der prekären Beschäftigung wiederfinden, einige werden ihren Job verlieren.

Wir unterstützen die Kämpfe von SchülerInnen und LehrerInnen, die nicht bereit sind, die systematischen Veränderungen mitzutragen, welche die Lücke zwischen den Reichen und den Armen noch größer machen würden. Die wachsende Barriere zwischen ihnen wird die strukturellen Ursachen der Armut ebenso vergrößern wie sie die Lebensbedingungen vieler ArbeiterInnen, einschließlich der BildungsarbeiterInnen, verschlechtern wird.

Viele dieser Veränderungen, die überall in Europa im Bildungswesen eingeführt werden, konzentrieren sich rund um die Visionen, die von den Initiatoren des Bologna-Prozesses entwickelt wurden. Obwohl wir gegen die Grundannahmen dieses Prozesses sind, glauben wir nicht, dass dieser Prozess selbst die Hauptursache für das Problem ist. Die tiefergehenden Wurzeln des Problems sind mit dem Kapitalismus und der Rolle der Bildung als Werkzeug der Erzeugung von Eliten und der Zurichtung zur Vereinzelung in Übereinstimmung mit den Werten der Klassengesellschaft verbunden.

Wir stimmen nicht mit einigen sozialdemokratischen Positionen überein, die häufig von manchen GegenerInnen der Kommerzialisierung von Bildung angeführt werden. Darunter sind Auffassungen wie die, dass „Bildung vom Staat betrieben werden sollte“ oder dass „die Universität in ihrer derzeitigen Form bewahrt werden müsse“. Wie in einigen anderen Lebensbereichen auch, mag es sein, dass die Bewahrung des derzeitigen Systems besser sein kann als die Zukunft, welche die Neoliberalen für uns vorbereitet haben. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir für eine Unterstützung des Status Quo wären. Die Universität ist bereits jetzt ein Werkzeug der Elitenförderung, der Hierarchie und des Duckmäusertums. Der Zugang der Armen zu Bildung existiert häufig nur auf dem Papier. Bildungseinrichtungen sind ein Werkzeug der sozialen Indoktrination.

Für uns ist Bildung eher ein andauernder Prozess als eine Institution. Bildung muss nicht mit Diplomen verbunden sein, mit Karrieren und den Erfordernissen des Arbeitsmarktes. Unsere Vision von Bildung ist offen für alle – und zwar offen für wirklich alle und nicht nur für eine kleine Gruppe von Leuten, die sie sich leisten können und sich in ein Modell von Anpassung an Hierarchie und Noten einfügen. Das Modell von Bildung, das wir wollen, basiert in allererster Linie auf Zusammenarbeit, auf dem Teilen von Wissen in Übereinstimmung mit den libertären Prinzipien.

Wir rufen alle BefürworterInnen libertärer Bildung dazu auf, an den Protesten teilzunehmen und die Gelegenheit zu nutzen, Diskussionen über die Modell von Bildung jenseits des neoliberalen oder sozialdemokratischen Rahmens zu eröffen.

Union der SyndikalistInnen (Polen)

15. Juni 2009

die Vorträge, Seminare usw die ich anbiete,…

Was ist eigentlich Anarcho-Syndikalismus? oder die FAU-IAA stellt sich vor!

Jeder von uns hat die Formel „Ein Angriff auf eine von uns ist ein Angriff auf alle!“ schon mal gehört. Und ebenso haben wir alle schon oft die Phrase von der „Solidarität“ vernommen. Aber was könnte die wirkliche, praktische Bedeutung dieser und noch ein paar anderer bekannter sozialistischer Schlagworte aus der ArbeiterInnenbewegung sein?
Rudolf Mühland geht diesen und anderen Fragen nach und gibt dabei einen kleinen historischen Überblick über die Wurzeln des Anarcho-Syndikalismus und seine Entwicklung vom 19 bis zum 21 Jahrhundert. Dabei legt er einen Schwerpunkt auf die heutige Freie ArbeiterInnen Union (FAU-IAA) und ihre aktuelle Situation. So wichtigen Fragen wie:
* Wie sind die Menschen innerhalb der FAU organisiert?
* Welche kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Ziele verfolgt die FAU?
* Wer kann mitmachen?
oder auch
* Wie steht die FAU zur Bertiebsratsfrage?
* Wie steht die FAU zu Tarifverträgen?
und viele andere Fragen mehr werden angesprochen. Nach dem Vortrag mit Präsentation bleibt Zeit die aufgeworfenen Thesen zu diskutieren und weiterführende Probleme zu erörtern.
Anarchie und Strafe – zur Zukunft des Knastsystems in der Anarchie
„Freiheit für alle Gefangenen“ ist sicherlich ein Slogan den alle politischen AktivistInnen kennen. Für die ArbeiterInnenewegung und speziell für die Anarcho-SyndikalistInnen war diese Parole immer mehr als nur ein Schalgwort. Seit beginn der anarchistischen Bewegung und darüber hinaus noch in jeder Revolution haben die Menschen „ihre“ Gefangenen immer wieder befreit oder sich sonst wie für die Befreiung eingesetzt. ABER was sagen AnarchistInnen zur Rolle der Gefängnisse in einer anarchistischen Zukunft? Wird es keine „Verbrechen“ mehr geben? Werden die Menschen in totaler Harmonie miteinander leben? Und wenn es doch noch „Verbrechen“ gibt, wie werden die Menschen damit umgehen? Welche gesellschaftlichen Lösungen schweben den AnarchistInnen vor? Der Vortrag wird einen Streifzug durch die Jahrhunderte über den gesamten Globus unternehmen und die Lösungsvorschläge in Theorie und Praxis der AnarchistInnen (nicht nur!!) beleuchtet.

Anarchistische Strömungen und Utopien

Der Anarchismus hat viele Wurzeln und im laufe der Geschichte kamen viele “neue” Wurzeln hinzu. Obwohl sich alle AnarchistInnen in zwei Punkten einig sind, nämlich der Ablehnung jeder Form der Herrschaft des Menschen über den Menschen UND der Ablehnung jeder Form der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, gibt es jedoch kaum Einigkeit darüber wie die bestehende Gesellschaft transformiert werden soll. Praktisch und philosophische Fragen haben sehr früh dazu geführt das sich verschiedene anarchistische “Schulen” gebildet haben. Der Vortrag gibt einen kurzen Überblick über die anarchistischen Strömungen, ihre Utopien und ihre Ideen zur Transformation der Gesellschaft.

AnarchistInnen gegen Hitler

Im offizielen Gedenken an den Widerstand gegen den Faschismus werden wir zunehmend einseitig an die Offiziere des 20.Juli erinnert. Innerhalb der „Linken“ erinnert man sich auch des Widerstandes aus sozialemokratischen, zentralgewerkschaftlichen und vor allem kommunistischen Kreisen. Was ist aber mit den AnarchistInnen und SyndikalistInnen? Haben sie Widerstand geleistet? Wenn, ja, was war ihre Motivation? Wie waren sie Organisiert? Wer hat sich an diesem Widerstand beteiligt? Wie ist dieser Widerstand zu bewerten? Was hat er gebracht? Diesen und noch einigen anderen Fragen mehr werden wir in den Vortrag nachgehen. Hinterher bleibt noch genug Zeit weitere Fragen zu stellen und über die dargestellten Thesen zu diskutieren.

Zur Aktualität anarchistischer Theorie und Praxis

Obwohl Leo Trozki die anarchistische Bewegung schon in den 1920’ern „auf dem Misthaufen der Geschichte“ gesehen hat, ist diese Bewegung noch heute Weltweit vorhanden. Was macht eine Idee, die vor über 150 Jahren das Licht der Öfentlichkeit erblickte noch heute aktraktiv? Welche Ideen liegen heutiger anarchistischer Praxis zu Grunde? Und vor allem: warum sollten uns heute die alten Träume der AnarchistInnen noch interessieren? Der Vortrag versucht auf Grundlage der heutigen Gesellschaft die Aktualität des Anarchismus und der anarchistischen Bewegung in seiner Theorie und besonders an Hand seiner Praxis zu verdeutlichen.

Geschichte des Anarchismus auf Kuba

Ein gern verschwiegener schwarz-roter Faden zieht sich durch die Geschichte Kubas.
Rudolf Mühland hat das Vorwort zur Erstausgabe des Buches „Anarchismus auf Kuba“ von Frank Fernandez geschrieben. Der Autor Frank Fernández hat mit diesem Buch diese Geschichte neu aufgerollt. Er spannt den Bogen von der Zeit der spanischen Kolonial- herrschaft bis hin zu dem heutigen Castro-Regime (2003!). Fernández zeichnet das Bild einer wechsel- vollen Geschichte der libertären kubanischen Bewegung, die oft in den diversen politischen Strömungen unterzugehen drohte. Die Unabhängigkeitsbewegungen (Loslösung von Spanien) mit ihrem Patriotismus wie auch die späteren Diktaturen von Machado und Batista konnten sie nicht klein kriegen. Das besorgte in den fünfziger Jahren erst das Regime von Castro. Rudolf Mühland hat das Vorwort zur deutschsprachigen Erstausgabe geschrieben und wird in einem Referat die geschichte des kubanischen Anarchismus/Anarcho- Syndikalismus erläutern. Neben dem Text von Frank Fernandez wrden auch auch intime Freunde des movimiento libertario cubano (MLC), wie Augustin Souchy (der sich auf Einladung Fidel Castros auf Kuba befand!) und Sam Dolgof zitieren. Dieses Buch sei daher vor allen auch den Leuten ans Herz gelegt, die immer noch ein romantisierendes Bild eines kubanischen „Sozialismus“ mit den marxistisch-leninistischen Galionsfiguren Che Guevarra und Castro pflegen. – In diesem Sinne: „Kill your Idols“.

Was ist eigentlich Anarchie?

Rudolf Mühland geht der Frage nach was Anarchie ist und welche Antworten sie für die Probleme Heute und in der Zukunft liefern kann anhand konkreter Beispiele aus dem Alltag nach. Welchen Sinn macht es zum Beispiel für Studierende sich in sogenannten Bildungssyndikaten selbst zu organisieren? Sind Studierende auch ArbeiterInnen? Und wenn ja, sollten sie in einer Gewerkschaft sein? Welche Möglichkeiten der Organisation schlägte „der Anarchismus“ auf sozialer, kultureller und ökonomischer Ebene vor? Wie organisieren sich AnarchistInnen schon heute und wie stellen sie sich die Transformation der Gesellschaft vor? Dies sind einige der Fragen die er in seinem Vortrag nachgehen wird. Insgesamt legt R. Mühland in seinem Vortrag einen Schwerpunkt auf die Makrostrukturen unserer Gesellschaft.
Anschließend bleibt noch Raum für eine eingehnde Diskussion der aufgestellten Thesen.

Revolution in Deutschland?! – Die ArbeiterInnenbewegung der Weimarer Republik

Wir wollen uns auf die Spuren der ArbeiterInnenbewegung der Weimarer Republik begeben. Die Zeitreise beginnt am Ende des Ersten Weltkriegs und der Frage nach der gescheiterten “Revolution” der ArbeiterInnen in Deutschland. Weiter geht es über die Kämpfe des März 1920 als die ArbeiterInnenbewegung mit einem Generalstreik und der Aufstellung einer Roten Armee den Putsch der rechte Freikorps entgegentritt. Schließlich erleben wir die Endphase der Weimarer Republik und den Kampf gegen den aufkommenden Faschismus. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Aufstieg und Niedergang der Radikalen Linken, sowie den Schwierigkeiten und Fehlern im antifaschistischen Kampf. Schließlich soll die Frage diskutiert werden, was diese historischen Erfahrungen für uns bedeuten in einer Zeit, in der es in Deutschland keine medial wahrgenommene radikale ArbeiterInnenbewegung mehr gibt.

Europas neue Kriege

Buchvorstellung mit Ismail Küpeli und Rudolf Mühland (Autoren) – Wir erleben immer wieder, wie Kriege als legitim, ja sogar als notwendig dargestellt werden. Die Gründe sind vielfältig – und nicht immer einfach zu durchschauen.
Neben der Legitimierung einzelner konkreter Kriege muss als Teil der geistigen Mobilmachung auch der Krieg als solcher denkbar gemacht werden. Diese Denkbarmachung des Krieges läuft – vielfach unbeachtet von Kriegsgegnern – in wissenschaftlichen Diskursen der Universitäten und Think-Tanks. Politikwissenschaftler entwerfen Thesen, Theorien und Prognosen. Sie liefern Gefahreneinschätzungen für die Politiker, die darauf aufbauend Entscheidungen treffen.
In der Buchvorstellung soll neben der Kritik der wissenschaftlichen Denkbarmachung des Krieges auch versucht werden, eine allgemeine Position gegen den Krieg zu formulieren und gemeinsam zu diskutieren, was wir gegen Kriege tun können.

März 1920 „Die vergessene Revolution“

„Am 13. März putschte Kapp gegen die Reichsregierung in Berlin. Am 15. März begann der eiligst ausgerufene Generalstreik. Bis zum 29. März traten allein im Ruhrgebiet mehr als 330.000 Arbeiter und Arbeiterinnen in den Streik. Eben diese ArbeiterInnen bildeten in den Städten spontan die sogenannten Arbeiterwehren. Außerdem organisierten sich 80. – 120.000 Menschen ebenso spontan in der „Roten Ruhr Armee“. Hinter der Front passierte aber noch viel mehr, und genau darum soll es in dieser Veranstaltung gehen. Anhand eines PowerPoint unterstützten Vortrages rufe ich den März 1920, die Akteure auf allen Seiten und die „vergessene Revolution“ wieder in unsere Erinnerung. Nach dem Vortrag stehe ich Autoren noch zu einer offenen Diskussion zur Verfügung.

Antisemitismus in der BRD

In diesem Vortrag beschäftige ich mich Einführend mit dem Antisemitismus in Deutschland. Allerdings ist der Antisemitismus kein „Deutsches Phänomen“, sondern eine besondere Form des Rassismus die weltweit verbreitet ist.
Zu Beginn stelle ich die verschiedenen historischen Quellen des Antisemitismus dar. Dabei spare ich den vorchristlichen („heidnischen“) Judenhass aus. Der christliche Judenhass wird aber ebenso dargestellt wie der mittelalterliche, der moderne Antisemitismus, der nazionalsozialistische und der nach-Shoa-Antisemitismus. Ein kleiner Exkurs soll Eckpunkte vermitteln, die helfen können zu erkennen wo die Grenze zwischen Israelkritik, Kritik an der jüdischen Nationalbewegung, dem Zionismus und dem Antisemitismus liegen. Dabei sind die Grenzen oft fließend.
Ein weitere Schwerpunkt ist der Versuch gegen allzuleichte Antworten anzugehen. So wird seit 2001 vermehrt der Eindruck erweckt, als sei der Antisemitismus in Europa ein Konflikt zwischen Minderheiten. Auf diese Art und Weise wird faktisch die eine Minderheit (europäische Muslime) gegen die andere Minderheit (europäische Juden) ausgespielt, und das obwohl es ernsthafte Versuche beider Minderheit gibt, sich gemeinsam gegen Rassismus zu positionieren. (Ultra-)Konservative, (neo-)nazistische Organisationen werden dadurch nur in ihren Bemühungen rassistische Zwietracht zu fördern bestärkt. Tatsächlich sind die einzelstaatlichen Befunde in Europa sehr unterschiedlich. Während es zum Beispiel in Frankreich eine feststellbare Verschiebung von der „traditionellen rechten Gewalt“ gegen Juden, hin zu einer Beteiligung vorwiegend junger männlicher Muslime gab, sind die Täter in den Niederlanden zu 80% „weiß“.

Anarchie und Sex

Vorwort: Die Idee zu diesem Vortrag hatte ich bei einer Veranstaltung inSalzburg. Am Anschluss an den Vortrag „Anarchie und Strafe – zurZukunft des Knastsystems in der Anarchie“ diskutierten die AnwesendenMenschen sehr schnell über Sex, Gender, SM-Praktiken u.v.a.m.
Diese Diskussion zeigte mir einerseits das es großes Interesse am Thema Sex* gibt und andererseits, das es, trotz zahlreicher analytischer Beschäftigungen mit dem Thema allerlei Unsicherheiten gibt.Mein Vortrag wird sicher nicht in der Lage sein alle Frage zubeantworten (oder auch nur an zu reißen) aber ich hoffe doch einigesachlich-sinnliche Hinweise geben zu können. Aber was macht uns eigentlich beim Thema Sex so unsicher und vor allem,was hat Sex mit Anarchie zu tun? Mit Konstantin Wecker („Freiheit, das heißt keine Angst haben vor nichtsund niemand“) möchte ich die Frage nach dem Zusammenhang von Sex und Anarchie vorerst beantworten. Gleichzeitig habe ich hier auch eine guteÜberleitung zu der Antwort auf die Frage was uns denn beim Thema Sex so unsicher macht. Meiner Ansicht nach ist es Angst. Angst vor Strafe, vorVerlust, vor abweichendem Verhalten, vor Unkenntnis, vor ungewolltemVerhalten usw. usf. Spätestens ab der Pubertät beschäftigen wir uns alle mehr oder wenigermit Sex. Aber schon vorher werden wir in unsere Geschlechterrollen gedrängt. Zum Teil operativ, zum Teil durch die Konfrontation mit Rollenbildern und „kindgerechtem“ Spielzeug. Doch zurück zur Pubertät. Wir fangen an uns selbst, unseren Körper, unsere Lust zu erkunden. Schon hier tragen viele von uns ein ganzen Netzwerk von Schuldgefühlen mit sich herum, fühlen einen Widerspruch zwischen dem was sie Fühlen und dem was ihnen beigebracht wurde. Die Entdeckung des anderen (das meine ich nicht geschlechtlich, sondern rein numerisch) macht die Angelegenheit oft nicht leichter. Woher sollen wir wissen was das gegenüber (denkt euch ruhig den Plural dazu) mag und möchte? Müssen wir gesetzte Grenzen in alle Ewigkeit akzeptieren oder dürfen wir sie überschreiten und wenn ja, wie? Wie wirken sich (für die Intellektuellen unter uns) gesellschaftliche Realitäten wie Staatlichkeit (im weitesten Sinn!) und Kapitalismus auf unsere Sexualität und die Konstruktion/Dekonstruktion der Geschlechterrollen aus? Ist es ok Pornos zu schauen? Was passiert eigentlich im Pornokino? Darf ich beim Sex schlagen, fesseln, befehlen? Ist Monogamie in Ordnung? Woher kommt meine Eifersucht? Warum sitzen die Kerle im Zug immer so, das auf dem Viersitzer kein Platz mehr für mich ist? Welchen Sinn oder Unsinn machen Dinge wie soziales und biologisches Geschlecht und wie wird das bestimmt? Geht Sex ohne Liebe? Was ist mit Beschneidung? Und noch mal: Was hat das alles mit Anarchie zu tun? Ist das ganze nicht einfach nur eine private Angelegenheit?

* Wenn ich von Sex schreibe, denke ich Gender und alle anderen Aspekte gleich mit. Ich möchte der schriftstellerischen Einfachheit halber, Sex nicht einfach nur als Geschlechtsakt verstanden wissen. Vielmehr als Überschrift für ein Netzwerk verschiedenster Begriffe.

Tagesseminare:

Einführung in das (kollektive) Arbeitsrecht
In der Linken ist die Arbeiterklasse schon lange kein Thema mehr. Erst in der neuesten Zeit wenden sich wieder vermehrt Menschen der „sozialen Frage“ zu. Dabei stoßen sie unweigerlich auf Gewerkschaften und ihre Kampfformen. Kaum einer weiß jedoch die rechtliche Situation, in deren Rahmen die reformistischen, gelben und auch revolutionären Gewerkschaften agieren, ein zu schätzen.
Das Tagesseminar beschäftigt sich einführend mit dem sogenannten „Kollektiven Arbeitsrecht“. Dabei wird insbesondere der Frage nach geangen „Was ist das Arbeitsrecht“, wo und wie ist es geregelt und welche Rangfolgen haben die Rechtsquellen. Des weiteren wird ein Überblick über das Tarifvertragsrecht und das Arbeitskampfrecht gegeben. In diesem Zusammenhang werden Begriffe wie Gewerkschaft und Betriebsgruppe erläutert. Besondere Erwähnung finden sogenannte JoberInnen und LeiharbeiterInnen. Zum besseren verständnis gibt es einen kleinen Überblick über die Geschichte des Streikrechts und die Entstehung heutiger (kollektiver) arbeitsrechtlicher Rechtsprechung. Das ganze wird immer unter der Perspektive realer und revolutionärer Gewerkschaftsarbeit geschildert. Während des Seminars gibt es immer wieder Gelegenheit einzelne Punkte ausführlicher zu diskutieren. Folgeseminare zu Spezialthemen (zum Beispiel Betriebsverfassungsgesetz usw) sind möglich.

Revolution in Deutschland?! – Die ArbeiterInnenbewegung der Weimarer Republik
Wir wollen uns auf die Spuren der ArbeiterInnenbewegung der Weimarer Republik begeben. Die Zeitreise beginnt am Ende des Ersten Weltkriegs und der Frage nach der gescheiterten “Revolution” der ArbeiterInnen in Deutschland. Weiter geht es über die Kämpfe des März 1920 als die ArbeiterInnenbewegung mit einem Generalstreik und der Aufstellung einer Roten Armee den Putsch der rechte Freikorps entgegentritt. Schließlich erleben wir die Endphase der Weimarer Republik und den Kampf gegen den aufkommenden Faschismus. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Aufstieg und Niedergang der Radikalen Linken, sowie den Schwierigkeiten und Fehlern im antifaschistischen Kampf. Schließlich soll die Frage diskutiert werden, was diese historischen Erfahrungen für uns bedeuten in einer Zeit, in der es in Deutschland keine medial wahrgenommene radikale ArbeiterInnenbewegung mehr gibt.

Film & Diskussion:

Why Men Don‘t Speak about Their Penisses
Eine Doku mit Männer, Männer* die vorher Frauen waren und Frauen* die vorher Männer waren, mit nackten Männern, mit angezogenen Männer, mit Männern die ihren Penis zeigen und Männern die ihren Penisverstecken und Männern von denen man sich nicht sicher ist ob sie einen Penis haben. Diese Veranstaltung ist offen für alle Menschen, egal welchem Geschlecht sie sich selbst zurechen (wenn sie das denn überhaut tun), zu welchen Geschlechtern sie sich hingezogen fühlen und frei ab 12 Jahren.
Anschließend offene Diskussion.
*das ist rein organisch gemeint

Buchbinder und Anarchist – Das Leben von Rudolf Rocker
Der Dokumentarfilm ist eine Spurensuche anhand der Lebensstationen von Rudolf Rocker. Dieser wurde 1873 in Mainz geboren. 20 Jahre später emigrierte er nach London wo er sich nicht nur der radikalen, jiddischen, Arbeiterbewegung anschloß, sondern auch seine Lebensgefährtin Milly Witkop kennen lernte. Während des ersten Weltkriegs wurde er als „Alien Enemy“ interniert. 1919 kehrt er zusammen mit Milly nach Deutschland zurück und wird hier zur treiben Kraft des entstehenden Anarcho-Syndikalismus. 1922 war er maßgeblich an der Gründung der anarcho-syndikalistischen „Internationalen ArbeiterInnen-Assoziation beteiligt. Nach vergeblichem Kampf gegen die Nazis gelang ihm 1933 die Flucht in die USA, wo er bis zu seinem Tode 1958 aktiv blieb und sowohl die Revolution in Spanien als auch die Reorganisation der „Freiheitlichen SozialistInnen“ ab 1945 in Deutschland unterstützte.
Nach dem Film wird Rudolf Mühland einige zusätzliche Informationen geben und versuchen die enstandenen Fragen zu beantworten. Er steht auch einer generellen Diskussion über die aufgestellten Thesen zur Verfügung.

Vivir la Utopia
Der Dokumentarfilm Vivir la utopía! – Die Utopie leben! gibt einen Überblick über die Geschichte der anarchistischen Bewegung Spaniens seit dem 19.Jahrhundert bis zu ihrem Höhepunkt, der spanischen revolution im Jahre 1936:
Die Gründung der anarchosyndikalistischen Gewerschaft CNT-AIT (Confedération Nacional del Trabajo) und der FAI (Federación Anarquista Ibérica), die Rolle von Kultur und Erziehung (Modernes Schulwesen nach F. Ferrer), die Vielfalt der Ideen und Aktivitäten im Vorfeld der Zweiten Republik, den Staatsstreich der Militärs, der sowohl einen Bürgerkrieg als auch eine Soziale Revolution auslöste, und insbesondere die Einrichtung und das Funktionieren der Kollektivbetriebe in den ländlichen und städtischen Gebieten. Das republikanische Spanien wurde von den Franco-Faschisten mit militärischer Hilfe der italienischen und deutschen Faschisten bekämpft; die westlichen „Demokratien“ leisteten keine Hilfe, und die Stalinisten verrieten und bekämpften die soziale Revolution. Der Film zeigt die zuwenig bekannte konstruktive Seite der radikalen gesellschaftlichen Veränderungen, durch die einfachen ArbeiterInnen und BäuerInnen im republikanischen Teil Spaniens. ZeitzeugInnen aus den Reihen der AnarchistInnen berichten u.a. über das konstruktive Werk des „Anarchismus in Aktion“ während der Sozialen Revolution, dies bedeutete: Auf dem Lande bilden etwa 7 Millionen Bäuerinnen und Bauern Kollektive, in den Städten werden etwa 3000 Fabriken und Produktionsbetriebe in Selbstverwaltung der Arbeiter-innen überführt, circa 150 000 Anarchist-innen schließen sich den Milizkolonnen im Kampf gegen den Faschismus an. Gesprächspartner sind 30 Überlebende, viele kamen aus dem Exil in Frankreich, Kanada, Mexiko und Venezuela, um Zeugnis abzulegen über das größte sozialrevolutionäre Experiment in der Menschheitsgeschichte!
Nach dem Film wird Rudolf Mühland einige zusätzliche Informationen geben und versuchen die enstandenen Fragen zu beantworten. Er steht auch einer generellen Diskussion über die aufgestellten Thesen zur Verfügung.

Tierra y Libertad / Land and Freedom
1936 die Revolution in Spanien hat gerade angefangen und über all auf der Welt versuchen Militante die ArbeiterInnen über den Charakter der Ereignisse auf zu klären. Nach einer Filmvorführung entschließt sich der arbeitslose Kommunist David Carr nach Spanien zu gehen und seinen Traum einer sozialistischen Welt mit der Waffe in der Hand gegen die faschistische Bedrohung zu verteidigen.
In Spanien angekommen schließt er sich eher zufällig einer Internationalen Brigade der POUM (ein undogmatischen marxistischen Partei) an. Die Revolution ist jedoch schon bald keine mehr. Das Authoritätsprinzip gewinnt wieder die oberhand und die Stalinisten tun alles um die Errungenschaften der ArbeiterInnen zurück zu drängen. Auf diesem Hintergrund spielt sich die Liebesgeschichte von David und Blanka ab. Sie wird auf dem Höhepunkt der Reaktion von den Stalinisten erschossen – die Revolution ist nun endgültig vorbei. Der Film genügt sich aber nicht in der Darstellung der Liebesgeschichte oder Kämpfe. Nein, er gibt auch einen beredten Eindruck in die Struktur der Miliz, die Umgestalltung der Gesellschaft nach anarchistischen Prinzipien und die Mechanismen des „Verrates“ durch die Partei-Kommunisten.
Nach dem Film wird Rudolf Mühland einige zusätzliche Informationen geben und versuchen die enstandenen Fragen zu beantworten. Er steht auch einer generellen Diskussion über die aufgestellten Thesen zur Verfügung.

comming soon:
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Erneuter Aktionstag gegen die Arbeitsbedingungen by Ryanair

Am 6. Juni fand zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen in mehreren Ländern ein Aktionstag wegen der Arbeitsbedingungen by Ryanair statt. Konkreter Anlass war auch dieses Mal u.a. die Kündigung eines Gewerkschaftsaktivisten der spanischen CNT an der Ryanair-Basis in Zaragoza. In der BRD informierte die FAU u.a. an den Flughäfen Berlin-Schönefeld, Altenburg («Leipzig») und Weeze («Düsseldorf») sowie am Busterminal in Leipzig Fluggäste, AirlinerInnen über Flughafenbeschäftigte über die Repressalien gegen GewerkschafterInnen bei Ryanair.

Hintergründe

Die CNT-Betriebsgruppe bei Ryanair in Zaragoza rief für Samstag, den 6.
Juni zu einem zweiten internationalen Aktionstag gegen die Airline auf.
Die CNT befindet sich seit Februar im Konflikt mit Ryanair am Standort
Zaragoza. Sie wirft der Fluglinie vor, gewerkschaftliche Organisierung
zu behindern und die ArbeiterInnen einzuschüchtern. In diesem
Zusammenhang wurde ein Mitglied der CNT-Betriebsgruppe gefeuert. Nach
einer ganzen Serie von Mobilisierungen in Zaragoza selbst, bat die CNT
jetzt erstmals im Mai um europaweite Unterstützungsaktionen, um so den
Druck auf die Airline weiter zu erhöhen. Auch in der BRD fanden an
diesem Tag eine Reihe von Aktionen, kombiniert mit KundInnen-Protesten bei Ryanair statt.

Aktionen der FAU während des 2. Aktionstages

In Berlin-Schönefeld gab es im Laufe des Tages
gleich zwei Aktionen. Morgens wurden Flugblätter am Check-In verteilt.
Nachmittags entrollte eine größere Gruppe von Mitgliedern der Berliner
FAU und der «Anarchosyndikalistischen Jugend» (ASJ) Berlin ein
Transparent am Check-In und verteilte dort Flugblätter an Beschäftigte
und Ryanair-KundInnen. Das Interesse war groß und selbst aus den Reihen
des Flughafen-Sicherheitspersonals gab es Sympathiebekundungen und
Tipps für künftige Aktionen. Die Aktion wurde auf den Eingangsbereich
des Terminals ausgedehnt. Nach einer Personalienfeststellung und
nachdem alle Flugblätter ihre AdressatInnen erreicht hatten, wurde die
gewerkschaftliche Informationsverteilung beendet.

Am Flughafen in Altenburg («Leipzig») verteilten Mitglieder der umliegenden FAU-Syndikate ebenfalls Flugblätter an Reisende und Beschäftigte. Auch dort gab es reges Interesse, ebenso wie in Leipzig,
wo GewerkschafterInnen der FAU die Fahrgäste der Shuttle-Busse zum
Flughafen Altenburg über die Arbeitsbedingungen by Ryanair informierten.

In Weeze, 80 km nordwestlich von Düsseldorf,
fand eine weitere Aktion statt. Mehrere Mitglieder umliegender
Syndikate der FAU verteilten dort hunderte von Flugblättern. Hierdurch
wurde der Sicherheitsdienst derart nervös, dass erst einmal die
Eingangstüren zum Terminal verriegelt und die Passagiere kurzfristig
eingesperrt wurden. Dennoch gab es auch hier reges Interesse sowohl von
Seiten der KundInnen als auch der Flughafenbeschäftigten. Nachdem
während des ersten Aktionstages sogar die Lokalpresse über die
Verteilaktion und die Arbeitsbedingungen berichtet hatte, war die
Security dieses Mal deutlich nervöser. Ein Mitarbeiter erzählte, dass
es bereits vor Beginn der Aktion eine Reihe von Anrufen gegeben habe,
dass für den 6. Juni etwas im Busch sei.

Am Flughafen Lübeck-Blankensee («Hamburg»)
verteilten Mitglieder der FAU-Syndikate in Hamburg und Westmecklenburg
Flugblätter zu den Arbeitsbedingungen bei Ryanair.

Wie geht es weiter?

Für den 8. Juni ist eine Arbeitsgerichtsverhandlung in Zaragoza
angesetzt, auf der es auf juristischer Ebene um die Wiedereinstellung
des CNT-Gewerkschafters geht. Sollte Ryanair sich nach wie vor weigern,
den Forderungen der CNT-Betriebsgruppe nachzukommen, wird dieser zweite
Aktionstag vermutlich nicht der letzte gewesen sein. Nicht zuletzt auch
deshalb, weil sich in den Gesprächen mit Flughafen-MitarbeiterInnen und
Airlinern an den verschiedenen Standorten wieder einmal gezeigt hat,
unter welch miesen Bedingungen hier teilweise den KollegInnen ihre
Arbeitskraft abgepresst wird.

Weiterführende Infos

Website der CNT Betriebsgruppe bei RyanAir Zaragoza.
Karte der Flughäfen, die von Ryanair angeflogen werden.
Artikel zum Aktionstag gegen die Arbeitsbedingungen bei Ryanair am 3. Mai 2009




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